Archiv für April 2012
Trachtenmode ist zeitlos
Tracht ist eine der wenigen Mode-Erscheinungen, die dem Wandel der Zeit nicht unterlegen sondern viel mehr mit ihm gewachsen ist. Denn seit jeher wurde und wird Tracht generationsübergreifend getragen. Tracht ist Mode. Der Schlüssel liegt in der Verbundenheit zu Bayern, in den Vorteilen von Form und Material und in der Vielfältigkeit des Trachtengewands.
Wer Tracht trägt bekennt sich zu bayerischem Brauchtum und Tradition. Tracht wird seit dem 17. Jahrhundert getragen und hat sich bis heute durch alle Gesellschaftsschichten gezogen. Regionale Unterschiede, wie der Berchtesgadener Tracht, der Chiemgauer oder der Miesbacher Tracht, um nur einige zu nennen; Vereins spezifische Trachten in den unterschiedlichen Regionen und mittlerweile sogar Trachten für bestimmte Anlässe, wie Hochzeitstracht oder Gastronomietracht verdeutlichen die vielseitige Präsenz der Tracht und die Macht, einzelne Menschen zusammen zu fügen und Gruppengefüge hervor zu bringen. Trachtenmode steht für eine bayerische Zusammengehörigkeit. So vereint das Dirndl oder auch die Lederhose, ein Trachtenhemd oder Janker einerseits etwas Bodenständiges und eine tiefe Verbundenheit zu Bayern, Brauchtum und Tradition; andererseits ermöglichen neue Schnitte und Farben den Geist der Zeit wieder zu spiegeln. Das Grundgerüst der Trachten ist seit jeher gleich geblieben. Und dennoch hat es diese Kleidung geschafft, den jeweils aktuellen Modetrends angepasst zu werden. Das ist der Grund, weshalb Tracht bis in das 21. Jahrhundert als solche überleben konnte. Form und Material machen sie beliebter denn je. Tracht ist urig und robust und präsentiert seine Träger von deren schönster Seite. Eine gute Lederhose aus echtem Leder begleitet seinen „Herren“ ein Leben lang, heißt es, und wird zum Zeugen seiner Erlebnisse. Das Dirndl versteckt gekonnt unangenehme Körperstellen und stellt die weiblichen Rundungen charmant in den Vordergrund. Traditionelle aber auch moderne Schnitte bieten eine Auswahl für jeden Geschmack. Alte Stoffe werden mit neuen kombiniert und neue Kreationen eingeführt. Zahlreiche Applikationen variieren die einzelnen Modelle.
Die Auswahl an Kombinationsmöglichkeiten von Formen, Material, Farben und Verzierungen wird mit der Bandbreite an Trachtengewändern ergänzt. So gibt es Mini-, Midi- oder lange Dirndl, Designerstücke, kurze oder lange Lederhosen, Kniebundhosen, Hemden, Westen oder Janker in verschiedenen Ausfertigungen und Stilen. Ob traditionell, im bodenständigen Landhausstil oder flippig-modern – die immensen Möglichkeiten eröffnen Tracht für jeden Geschmack, generationsübergreifend und für die ganze Familie zu tragen. Dabei gehört neben den bekannten Kleidungsstücken noch weitaus mehr zum Bereich der Tracht. Dirndl-Blusen, Dirndl-BH´s, Strümpfe für Sie und ihn in verschiedenen Formen, Unterröcke und Unterhosen, Badehosen, Rockraffer, Longsleeves, Rollkragen-Pullover, Handtaschen, Schmuck und Accessoires sind Begriffe, die in dem weiten Bereich der Tracht zu finden sind. Sogar Hausschuhe und Gummistiefel können mittlerweile zur Trachtenmode hin zu gezählt werden. Die Welt der Tracht hat im 21. Jahrhundert immense Ausmaße angenommen. Die traditionelle Verbundenheit bleibt nach wie vor bestehen und Formen und Farben geben den Herstellern mehr Spielraum. Tracht trifft auf jeden Geschmack und kennt keine Altersgrenzen. Das sind die Gründe, weshalb Tracht einfach zeitlos ist.
Regionale Trachten im Vergleich – die Miesbacher Tracht
Im Volksmund versteht man unter Tracht im Allgemeinen die oberbayerische Gebirgstracht. Je nach Region kann noch heute zwischen sechs verschiedenen Gebirgs-Trachten unterschieden werden: die Miesbacher Tracht, die Werdenfelser Tracht, die Inntaler Tracht, die Chiemgauer Tracht, die Berchtesgadener Tracht und die Isarwinkler Tracht. Je nach Region haben alle diese Trachten spezifische Eigenschafen, die die Orts-Zugehörigkeit wieder spiegeln.
Die Miesbacher Tracht ist die um München meist verbreitete Trachtenvariante in Bayern und gilt als Wiege der Trachtenbewegungen, obwohl sie erst um 1900 mit den Trachtenvereinen verbreitet wurde und damit nicht als traditionell historische Tracht betrachtet wird. Generell wird der Miesbacher Tracht das Motto zugeschrieben, dass Ausstattung und Accessoires mit dem Alter und dem Ansehen wachsen. Dabei unterscheidet man zwischen der Herren – und der Damentracht. Die Herren- beziehungsweise Jungentracht setzt sich Hut und Hutschmuck, Hemd und Krawatte, Lederhose mit Hosenträgern, Gilet und Joppe, Strümpfe und Schuhe, Schmuck, Messer und Abzeichen zusammen.
Der sogenannte Miesbacher Scheibling ähnelt der Hutform einer Melone, wird mit zwei- oder dreireihigen Kordeln versehen und wird leicht nach vorne geneigt und eingedrückt getragen. Als Hutschmuck werden Jagdtrophäen gewählt. Das Miesbacher Hemd ist aus weißen Leinen, mit Steg und Perlmuttknöpfen gekennzeichnet. Dazu trägt der Herr eine königsblaue Seidenkrawatte mit Krawattennadel oder wahlweise ein Tuch. Die Lederhose der Miesbacher Tracht kann unterschiedlich ausgeführt sein. Kennzeichen sind der vordere Latz, die seitliche Bandschnürung, eine Messertasche mit eingestickten Initialen, moosgrüne Auszier und Nahtverzierungen im einfachen Kreuzstich oder S-Laubmuster. Die Hosenträger werden am Rückengekreuzt und schließen über dem Taferl. Zur Lederhose wird ein Gilet getragen, eine aus grünem oder lila farbene Samt- oder Filz-Weste, die rot eingefasst ist und am Rücken aus schwarzer Seide besteht. Das Gilet hat Schwalben- oder Kastentaschen und wird im oberen Bereich mit einer oder zwei silbernen Knopfketten geschlossen. Über der Weste wird weiterhin die Miesbacher Joppe getragen. Diese ist dunkelgrau, hellgrau oder graubraun, hinten geschlitzt und ein gestreiftes Seidenfutter im Innenbereich.
Zum gesamten Trachtenoutfit sind für die Herren sogenannte Miesbacher Buamaschua vorgesehen. Diese haben im hohen Absatz, der zur Schuhmitte hin geschwungen ist, ein Eisen in Hufeisenform integriert, um beim Schuhplatteln den gewünschten Stampfeffekt hervor zu rufen. Ansonsten ist der Schuh aus schwarzen Leder. Dazu werden dunkelgraue Kniestrümpfe mit dunkelgrünem, teils kariertem Umschlag getragen, der mit einem altem Strumpfband oder einem Knopfgummi befestigt wird. Die Strümpfe weisen eine Ranke von der Ferse bis zum Knie auf.
Bei der Miesbacher Herrenschmuck sind vor allem Auszeichnungen beispielsweise vom Schuhplattln, Vereinsabzeichen oder sonstiges Ehrungen gerne als Schmuck an der Joppe oder am Hut gern gesehen. Auch anderer Trachtenschmuck, wie Broschen oder Nadeln können eingebracht werden. Die Lederhose zieren oftmals Charivaris mit Münzen, Krallen und Hornschitzereien. Ein Muss ist in jedem Fall die silberne Taschenuhr mit Sprungdeckel, die zugleich die gängige Armbanduhr ersetzt. Das Messer kann als Hornmesser, Silber beschlagen und mit Hornschnitzereien versehen oder aber als Rehfußmesser mit eingearbeiteter Klinge variiert werden.
Die Frauen-, beziehungsweise Mädchentracht der Miesbacher Trachtenreihe ist im Vergleich zur Miesbacher Herrentracht etwas minimalistischer gehalten. Diese besteht aus Gewand, Hut und Schmuck. Die Miesbacher Frauen tragen sogenannte Leiblgewänder beziehungsweise Spenzergewänder. Diese setzen sich aus blauem Rock und Mieder, einer weißen Schürze sowie einer weißen Langarmbluse, weißen Seidenstrümpfen und schwarzen Lederschuhen zusammen. Als Accessoire wird der Miesbacher Trachtenhut getragen, ein schwarzer Spitzhut mit goldfarbener Schnürung. Zum Schmuck gehören mehr reihige Kropfbänder, Ohrringe und Haarschmuck. Ein Muss sind die in etwa vier Meter langen Ketten, die am Mieder befestigt werden und mit Talern und einem Vorstecher versehen sind. Zu sehr festlichen Anlässen tragen die die Miesbacher Mädchen oftmals auch Blumenschmuck, Weidenkörbchen und einen Regenschirm.
Das passende Oberteil zur Lederhose
Die Herrenmode ist ähnlich der Damenmode heutzutage auch im Trachtenbereich sehr vielfältig geworden. Der Herr kann nicht mehr nur zwischen verschiedenen langer Lederhose, Kniebundhose oder kurzer Lederhose wählen. Farben, Schnittmuster und Verzierungen gehören ebenso zum breiten Repertoire an Auswahlmöglichkeiten. Damit ist es aber noch lange nicht genug. Denn zur knackigen Lederhose gehört auch ein fesches Oberteil. Die Trachtentrends 2012 verraten, welche Hemden in dieser Saison hoch im Kurs stehen.
Das Trachtenhemd: Das Trachtenhemd wurde früher auch „Pfoad“ im Sinne eines pflegeleichten Trachtenhemds aus atmungsaktiven Stoffen genannt. Es kann in schlichtem weiß zu jeder Lederhose kombiniert werden. Die traditionelle Variante verschafft dem Träger ein bodenständiges Erscheinungsbild.
Kleine Verzierungen, wie schlanken Raffungen, erlesenen Hornknöpfen oder einem Armriegel, der die hoch gekrämpelten Ärmel zierend befestigt, differenzieren die Auswahl. Der Brustriegel ein beliebtes Muster, ein dezentes Stoffband, das mit rustikalen Motiven quer entlang der Knopfleiste einen Blickfang garantiert. Verschiedene Kragenmodelle und Aufnäher können in natur beziehungsweise besch eingefärbt sein und zusätzliche Akzente setzen. Baumwolle und Leinen garantieren einen bequemen Tragenkomfort. Je nach Geschmack können mehr oder weniger integrierte Accessoires das schlichte Trachtenhemd aufpeppen. Besonders bei der Jugend beliebt sind karierte Hemden. Auch diese lassen sich zu jeder Art der Lederhose frei kombinieren. Farben, wie Pink, Beere und Türkis liegen auch in diesem Jahr voll im Trend. Mit den figurbetonten Schnitten lassen diese Hemden den Herren sehr frisch und keck wirken.
Die Trachten-Weste: Zum Trachtenhemd können Westen getragen werden. Sie sind sowohl zum traditionellen Trachtenhemd als auch zum modern, bunten Trachtenhemd eine schöne Zusatzoption. Vor allem Samtwesten setzen auf weißen Hemden ein farbiges Highlight. Wer eine Samtweste zu einem bunten Karohemd kombinieren möchte, sollte auf die gleiche Farbwahl setzen – das ist schick und modern. Praktisch für die kalten Abendstunden sind zudem lange Strickwesten. Strickwesten sind meist gerade geschnitten und haben einen Rundhals. Je nach Modell variieren die Taschen in Anzahl und Format. Durch die einfache Strukturierung passt die Strickweste zu jedem Outfit und ist ein gelungener Überzug für laue Sommernächte. Weitaus rustikaler wirkt die Trachten Lederweste. Die Lederweste ist sehr aufwändig verarbeitet und überzeugt mit vielen Details, wie Stickereien im Schulterbereich, der typischen Brusttasche und einem Lederriemen am Rücken.
Der Trachten-Janker: Wem die Weste an sich zu kalt ist, der kann zur Strickjacke greifen, die sich in der Aufmachung parallel zur Strickweste lediglich durch die langen Ärmel abhebt. Die Lederjacke ist im Landhausstil gehalten und wirkt im Vergleich zum typischen, rustikalen Trachtenjanker aus Loden und Walk etwas eleganter. Das Sakko macht das urige Herren-Trachten-Outfit zum bayerischen Trachtenanzug. Neue, taillierte Schnitte betonen die Figur. Ausgewählte Stoffe, wie Walk oder Loden geben ein passendes Erscheinungsbild. Das Trachtensakko ist eine schöne Alternative zum typischen Sakko. Diese Trachtenjanker können sowohl zur Lederhose als auch zur eigenen Lieblingsjeans kombiniert werden. Das hat Stil und zeigt seine Verbundenheit zu Bayern.
Schmuck und Accessoires zum kurzen Dirndl
Grundsätzlich gilt: Das Dirndl ist Schmuckstück genug! Wer sein Trachtenoutfit perfekt abrunden will, findet jede Menge Möglichkeiten. Denn zum Dirndl passt allerlei Dekoratives. Ob altbewährt oder modern und todschick. Zu jedem Dirndl gibt es das passende Accessoire.
Seit der Geburtsstunde der Tracht und seit jeher generationsübergreifend ist es der wohl meist getragenste und beliebteste Trachtenschmuck: das Kropfband.
Aus der ursprünglichen Funktion den Kropf oder dessen Narben nach einer OP zu verstecken heraus, wird das Kropfband eng anliegend am Hals getragen. Das Band ist meist aus Samt und relativ breit gehalten. Dieses Samtband ist mit Stickerein, Perlen oder Schmuckstücken verziert. In der Mitte findet sich zumeist ein „Haupt-Schmuckstück“, das oft als Kreuz- oder Herz- Anhänger gesehen wird. Das Kropfband ist nach wie vor todschick und wird sowohl zu den traditionelleren Dirndlvarianten als auch zu den neumodernen Dirndln getragen. Ob schlicht aus dunklem Samt oder in modischen Farben, keck mit Edelweiß und Herzchen, edel mit Strass und Stickerei oder opulent mit Brokat und Hirschleder.
Ein ebenso für alle Trachtenvarianten erlaubter Schmuck ist klassischer Gold- und Silberschmuck. Aber auch zeitgenössische Stücke, wie Perlenketten oder Ketten mit dekorativen Anhängern zieren die Trachten von heute. Besonders beliebt sind bei der Jugend bunte Ketten in den Farben Pink, Grün, Rot Türkis, Rosa und Violett, mit Herzanhängern und flotten Sprüchen, wie „I mog di“ oder „Spatzl“. Die verschiedene Farbvariationen in einfachen oder doppelten Satinbändern passen ideal zu den feschen Mini- und Midi-Dirndln. Auch traditionelle Anhänger wie ein Enzian, ein Herz oder eine Breze werden gern getragen. Highlights sind für jung wie alt edle Strasssteine, die ein zusätzliches Funkeln am Trachtenoutfit erzeugen. Für sehr exklusive Designer-Dirndl können sowohl Gold- und Silberschmuck als auch spezifische Trachtenschmuckstücke mit edlen Steinen verwendet werden. Für diejenigen, die es extravaganter wollen, gibt es feine Spitzenhandschuhe in schwarz oder weiß. Auch Kniestrümpfe sind ein gern gesehenes Accessoire.
Ein Accessoire, das zu jedem Dirndl passt, ist das Halstuch. Ob farbenfrohes Fransentuch, Nikituch mit modernem Aufdruck oder klassisches Baumwolltuch in dezenten Tönen. Das Halstuch gibt jedem Dirndl den idealen Schliff. Wieder voll im Trend liegen dieses Jahr die Trachtenhüte. In schwarz, anthrazit oder braun kann der Hut zu jeder Tracht kombiniert werden. Naturfarbene oder bunte Federn schmücken je nach Dirndlgewand das Haupt. Glitzernde Spangen oder bunte Haarbänder peppen jede Trachtenfrisur auf.
Wer es verspielt mag, trägt am Handgelenk ein Bettel- oder Sammlerarmband mit verschiedenen Symbolen. Praktisch und dennoch zierend ist zum Trachtenoutfit eine Trachten-Handtasche. Die Jugend trägt zum Mini- oder Midi-Dirndl farblich angepasste Herz-Taschen mit bunten Stickereien und Rüschen. Hier können Kette und Tasche ideal aufeinander abgestimmt werden, wenn zudem der gleiche Spruch auf dem Anhänger und der Handtasche zu finden sind. Schwarze Handtaschen in verschiedenen Größen bieten Platz für die nötigen Utensilien. Walk und Leder liegen derzeit in der hoch in der Qualitätsauswahl. Edle Strasssteine formen traditionell bayerische Musterungen, wie Hirsche oder Rehe und setzen auf dem Accessoire brillante Highlights. Ein schöner Schuh vollendet einen glanzvollen Auftritt. Sowohl Ballerinas als auch Pumps passen entweder farblich angepasst oder auch in einfachem schwarz zu jedem Dirndl. Wer sein Outfit wirklich perfekt abrunden will, findet bei modernen, Aufdrucken versehenen Dirndln, sogar den mit dem gleichen Muster bedruckten Schuh.